Stadtdirektor Sebastian Kopietz verlässt die Stadt Bochum in Richtung Köln zum Deutschen Städtetag (Update: Statement von Bochums OB Jörg Lukat)
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Stadtdirektor Sebastian Kopietz verlässt die Stadt Bochum in Richtung Köln zum Deutschen Städtetag (Update: Statement von Bochums OB Jörg Lukat)

Zusammenfassung

Sebastian Kopietz, Stadtdirektor der Stadt Bochum, wurde vom Hauptausschuss des Deutschen Städtetags einstimmig gewählt.

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Aktualisierung (7. Juli 2026, 19:48 Uhr: Es gibt ein Statement von Oberbürgermeister Jörg Lukat zum Weggang von Stadtdirektor Sebastian Kopietz: Stellungnahme von Oberbürgermeister Jörg Lukat. Außerdem einen Verweis auf meinen Podcast, in dessen aktueller Folge (Bochum-Kommunal Folge 37) es auch um den Weggang von Stadtdirektor Sebastian Kopietz geht.

Das Gerücht hat sich nun bestätigt: Stadtdirektor Sebastian Kopietz (SPD) wird die Stadt Bochum verlassen – in Richtung Köln. Nicht in die Verwaltung der dortigen Millionenstadt, sondern zum Deutschen Städtetag. Der Deutsche Städtetag bezeichnet sich selbst als „Stimme der Städte“ und ist ein freiwilliger Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten. Dieser vertritt die Interessen der Städte gegenüber der Bundesebene, der Europäischen Union und weiteren Organisationen.

Unterhalb der Leitungsebene (derzeit: Präsident Burkhard Jung (SPD), Oberbürgermeister von Leipzig, Vizepräsident Uwe Conradt (CDU), Oberbürgermeister von Saarbrücken und Vizepräsidentin Claudia Kalisch (Grüne), Oberbürgermeisterin von Lüneburg) gibt es mehrere Dezernate – und zum neuen Dezernenten für Klima, Umwelt, Wirtschaft und- Brand- und Katastrophenschutz wurde Bochums Stadtdirektor Sebastian Kopietz gewählt. Außerdem auch noch zum stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages.

Sebastian Kopietz (mit der neuen Mängelmelder-App auf einem Handy)Quelle: Stadt Bochum | All Rights Reserved
Sebastian Kopietz (mit der neuen Mängelmelder-App auf einem Handy)

2016: Erste (und direkt zweite!) Wahl zum Beigerodneten in Bochum

2016 wurde Sebastian Kopietz, der zuvor unter anderem bei der Bezirksregierung Arnsberg gearbeitet hatte, auf Vorschlag der damaligen rot-grünen Rathauskoalition gewählt.
Damals stand die Wahl einer/eines Beigeordneten (Stadträtin/Stadtrat) für Personal, Recht und Ordnung auf der Tagesordnung der entsprechenden Ratssitzung.

Tabubruch: Gemeinsamer Antrag von AfD, CDU, FDP usw.

Einige Teile der Opposition, hier namentlich die

  • CDU-Ratsfraktion
  • Fraktion „FDP & DIE STADTGESTALTER“ im Rat
  • UWG-Ratsfraktion
  • AfD-Fraktion
  • Freie Bürger im Rat

stellten gemeinsam einen Änderungsantrag dagegen. Das hier neben der CDU und der FDP auch unter anderem die AfD als Antragssteller aufgeführt wurde, passte wohl damals auch gut ins Bild, da der damalige CDU-Fraktions- und Parteivorsitzende noch kurz zuvor erklärt hatte, dass Rot-Grün der Hauptgegner sei und man sich in Sachen AfD nur mit deren Argumenten auseinandersetzen würde. Dieser Änderungsantrag wurde jedoch mit einer großen Mehrheit abgelehnt.

Schon damals gab es interne Kritik in CDU und FDP an diesem Vorgehen, denn dieses wurde von vielen als nicht zielführend angesehen und würde auch dem expliziten CDU-Wunsch, dass man wieder eine Position im Verwaltungsvorstand bekleiden wolle, eher nicht weiterhelfen.

Am Ende stimmten 45 für Sebastian Kopietz, 34 gegen ihn und 3 enthielten sich. Somit war er dann gewählt. An sich sogar zweimal, denn aus Gründen der Rechtssicherheit (man war sich beim ersten Wahlgang nicht so sicher, wie es denn mit Enthaltungen aussieht), wurde zur Sicherheit ein zweiter Wahlgang durchgeführt.

2018: Stadtdirektor und damit erster Vertreter des Oberbürgermeisters (in der Verwaltung)

Zwei Jahre später stand die Benennung einer neuen Stadtdirektorin bzw. eines neuen Stadtdirektors an, da der bisherige Stadtdirektor in den Ruhestand hin ausgeschieden war.

Die Stadtdirektorin bzw. der Stadtdirektor ist nach dem nordrhein-westfälischen Kommunalrecht die allgemeine Vertretung des Oberbürgermeisters in Angelegenheiten des OBs als Chef der Verwaltung. Während in Abgrenzung dazu bei den politischen Terminen der Oberbürgermeister von den ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern vertreten wird.

Hierfür wurde nun Sebastian Kopietz, der bisher „nur“ Beigeordneter/Dezernent/Stadtrat für Personal, Recht und Ordnung war, von der rot-grünen Rathauskoalition vorgeschlagen.

Während die CDU sich an der Abstimmung nicht beteiligte (vermutlich haben alle schnell noch eine Cola im Vorraum getrunken – kleiner Scherz am Rande), waren AfD & Linke gemeinsam dagegen (4 Stimmen), FDP & Stadtgestalter sowie die NPD (6 Stimmen) enthielten sich und mit großer Mehrheit (46 Stimmen) von SPD, Grünen, der UWG und dem damaligen Oberbürgermeister Thomas Eiskirch wurde Sebastian Kopietz zum neuen Stadtdirektor gewählt.

Erfolgreiche Krisenbewältigungen in Bochum

In den Jahren darauf wurden Bochum, Deutschland und die ganze Welt von Krisen geschüttelt. Angefangen hatte es bei Corona, wo gerade auch der Bereich den Sebastian Kopietz verantwortete, viel zu tun hatte. Und sei es nur, dass Regelungen des Landes, die am Freitag Nachmittag kamen und ab Montag gelten sollten, auch umzusetzen waren.

“There‘s no glory in prevention“
Vielleicht wurden nicht alle Entscheidungen richtig getroffen, aber viele falsche waren es auch nicht, so ein Insider zur städtischen Corona-Politik. Diese sei umso besser und verantwortungsvoller geworden, je mehr Daten vorlagen. Anfangs sei man schließlich noch von ganz anderen Übertragungswegen bei Corona ausgegangen. Doch gemäß der alten Regel, dass man keinen Ruhm und keine Ehre mit Prävention erreichen kann, sahen und sehen das nicht alle so. Und einige, deren Denken eher etwas verquert ist, meinen ja noch heute demonstrieren zu müssen…

Digitalisierung vorangetrieben

Auch ein Steckenpferd, was sich nachher auch in dem offiziellen Ressortzuschnitt zeigte, wo das Wort „Digitalisierung“ dazu kam, war eben diese – die Digitalisierung. Die „schnellste Stadt Deutschlands“ wurde zur „Smart City“.
Schaut man sich den Digitalisierungsgrad von Bochum im Vergleich mit anderen Städten des Ruhrgebiets an, dann muss man sich nicht verstecken – eher im Gegenteil. Auch bundesweit erreichte man immer wieder Auszeichnungen bei bundesweiten Vergleichen.

Hier machte Bochum enorme Sprünge – und viele Dienstleistungen sind, so es rechtlich möglich ist, inzwischen auch online möglich. Manchmal hapert es noch ein wenig am alten Zuständigkeitsdenken, denn wenn beispielsweise beim Mängelmelder (siehe Abbildung oben, wo Sebastian Kopietz die grundlegend überarbeitete Variante vorstellte) ein gemeldetes Problem für die Bürgerinnen und Bürger als „gelöst“ bezeichnet wird, weil die Sachbearbeitung die das Problem erstmalig bearbeitet hat, das an die zuständige externe Stelle weiter gereicht hat – dann ist das Problem vielleicht für diesen Teil der Verwaltung gelöst, aber nicht für die Bürgerschaft.

2023: Erste Wiederwahl als Beigeordneter

2023 stand dann nach der ersten Amtszeit als Beigeordneter die Wiederwahl an. Diesmal gab es keine geheime Abstimmung wie 2016 wie(auf Wunsch der CDU-Fraktion), sondern eine offene Abstimmung – und die fiel einstimmig für Sebastian Kopietz aus. Zwar hatten sich die CDU, die Fraktion Partei & Stadtgestalter und die FDP enthalten, aber auch nicht mehr dagegen gestimmt – oder sich gar nicht an der Abstimmung beteiligt.

Alleine die Entwicklungen bei den Abstimmungsergebnissen zeigen deutlich, dass für einen überwiegenden und nachher wohl auch vollständigen Teil des Rates der Stadt Bochum Sebastian Kopietz seine Arbeit als Beigeordneter gut gemacht hat.

Sebastian Kopietz, Stadtdirektor der Stadt BochumQuelle: Stadt Bochum | All Rights Reserved
Sebastian Kopietz, Stadtdirektor der Stadt Bochum

Sicherheitslagen, Krisensituationen usw.

Zuletzt bestimmten diverse Sicherheitslagen aber auch Krisensituationen zum Teil das Geschäft des Stadtdirektors. Auch die aufgrund des Überfalls auf die Ukraine entstehenden multiplen Herausforderungen mussten bewältigt werden.

Die Sicherheitslage machte es beispielsweise für Veranstaltungen aufgrund gestiegener Sicherheitsvorkehrungen nicht einfacher, wobei auch hier die Verwaltung zusammen mit der Politik nach Lösungen gesucht hat. Diese wurden auch gefunden, unter anderem durch Mittel, die im Rahmen der zusätzlichen Investitionsgelder des Bundes zur Verfügung gesellt wurden.

Gerade traditionelle Brauchtumsveranstaltungen hatten in den letzten Jahren einige Herausforderungen zu bewältigen, wobei hier sich auch gezeigt hat, dass die Verwaltung hier eher versuchte, etwas trotz aller Regularien zu ermöglichen, denn zu verhindern. Stefan Vahldieck, von der Bochumer Maiabendgesellschaft, erklärte auf Nachfrage von 4630.de zur Person Sebastian Kopietz folgendes:

„Ich habe Herrn Kopietz als engagierten Stadtdirektor kennengelernt, der das Herz am rechten Fleck hat und dem die Stadt und ihre Bürger sehr wichtig ist.

Er hat alles gegeben, um uns bei unserem Sicherheitskonzept für das Maiabendfest zu unterstützen und uns ehrenamtlichen das Leben leichter zu machen.“

Zuletzt belastete eine Affäre beim Kommunalen Ordnungsdienst (KOD), für den Sebastian Kopietz auch als Dezernent zuständig ist, die politische Diskussion, aber hier wurde fraktionsübergreifend eine Aufklärung beschlossen, wo es demnächst einen ausführlichen Bericht zu geben wird. Mit der Materie vertraute Personen beurteilen die Sachlage aber so, dass die Stadt selbst, nachdem die Verfehlungen intern bekannt wurden, sofort Maßnahmen ergriffen habe. Ob diese ausreichend waren, wird sicherlich noch zu diskutieren sein.

Stellungnahme von Oberbürgermeister Jörg Lukat

Nachfolgend das Statement von Oberbürgermeister Jörg Lukat zum geplanten Weggang von Stadtdirektor Sebastian Kopietz:

„Sebastian Kopietz leistet seit zehn Jahren hervorragende Arbeit für die Stadt Bochum und hat mir auch in den ersten Monaten meiner Amtszeit sehr hilfreich zur Seite gestanden. Persönlich bedauere ich den Wechsel sehr, denn ich schätze die Zusammenarbeit, die Zuverlässigkeit und die Persönlichkeit des Stadtdirektors in sehr hohem Maße. Dennoch freue ich mich für Sebastian Kopietz, der mit dem Wechsel zum Deutschen Städtetag eine neue Herausforderung übernimmt. Das einstimmige Votum bei seiner Wahl ist ein deutlicher Beweis, dass seine Fachlichkeit auch in anderen Zusammenhängen deutlich geschätzt wird. Aber natürlich wird er bis zu seinem Wechsel wie gewohnt uneingeschränkt seinen Aufgaben nachgehen.“

Weggang zum Deutschen Städtetag

Schon seit einigen Jahren hatte sich Sebastian Kopietz beim Deutschen Städtetag engagiert und sich dort – wie auch in anderen kommunalen Verbänden – für die Kommunalpolitik eingesetzt.

Jetzt wurde er am 24. Juni 2026 einstimmig zum neuen Dezernenten für Klima, Umwelt, Wirtschaft und Brand- und Katastrophenschutz und zum stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages gewählt.

Für politische Beobachter kommt dieser Schritt nicht ganz überraschend, denn natürlich wäre er auch eine Option für die Nachfolge von Thomas Eiskirch als Oberbürgermeister gewesen. Das wäre der natürliche nächste Schritt nach der Wahl zum Stadtdirektor vor einigen Jahren – ein Schritt, der nicht gegangen wurde (oder werden konnte), so dass politische Beobachter den jetzigen Weggang für absolut nachvollziehbar halten.

Beweggründe

Im Gespräch mit dem Autor dieses Berichts hob Sebastian Kopietz hervor, dass er nun 25 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv sei und es jetzt auch an der Zeit sei, mal etwas anderes zu machen. Er hätte auch schon andere sehr interessante Angebote in der Zwischenzeit erhalten, die er abgelehnt hatte – aber das jetzt sei wirklich etwas, wo er sich gerne einbringen würde.

Wie geht es in Bochum weiter?

Wie aus involvierten Kreisen zu erfahren war, ist unter anderem die Bochumer Politik zumindestens teilweise bereits seit einiger Zeit informiert gewesen. Insofern wird man sich wohl auch schon politisch gesehen Gedanken machen, wer Sebastian Kopietz nachfolgen könnte.

Seitens der Verwaltung soll es, so ist es zu hören, eine Ausschreibung der vakanten Stelle der Dezernentin bzw. des Dezernenten geben. Vielleicht wird diese es auch noch in die nächste Ratssitzung in der nächsten Woche – also noch vor der Sommerpause – schaffen. Ansonsten gibt es noch keine Informationen, wer beispielsweise die Nachfolge als neue Stadtdirektorin oder neuer Stadtdirektor antreten wird oder ob es zu Veränderungen im Zuschnitt der einzelnen Dezernate kommt.

Podcast „Bochum-Kommunal“ zum Weggang von Sebastian Kopietz

Außerdem gibt es in Folge 37 von Bochum-Kommunal, meinem kommunalpolitischen Podcast aus Bochum, auch einen Beitrag zum Weggang von Stadtdirektor Sebastian Kopietz.

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