Das Folkwang-Sommertheater im Schlosspark Bochum-Weitmar läuft seit einigen Jahren wieder. Beispielsweise wurde im Jahr 2022 das Stück „Ein Sommernachtstraum“ aufgeführt, im Jahr 2023 folgte „Macbeth“. In diesem Jahr steht mit „Der Sturm“ erneut ein bekanntes Werk von William Shakespeare auf dem Programm.
Quelle: Jens Matheuszik | All Rights ReservedAufgeführt wird das Stück von den Schauspielstudierenden des dritten Jahrgangs im Studiengang Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste. Gespielt wird erneut unter freiem Himmel im Schlosspark Bochum-Weitmar. Die Premiere war am vergangenen Donnerstag, den 9. Juli 2026.
„Der Sturm“ von William Shakespeare
„Der Sturm“ wird im Schlosspark in einer Bearbeitung von Jens Roselt gezeigt. Regie führt Damian Popp. Im Mittelpunkt steht Prospero. Einst wurde Prospero vom eigenen Bruder aus dem Herzogtum vertrieben und lebt seitdem mit seiner Tochter Miranda auf einer einsamen Insel. Als die Flotte der Feinde in die Nähe der Insel gelangt, entfesselt Prospero einen magischen Sturm. Die adelige Besatzung strandet daraufhin auf der Insel.
Es beginnt eine Geschichte um Rache und Macht, in der auch Liebe, Herrschaft und Freiheit neu verhandelt werden. Weitere Informationen zum Stück und zur Besetzung gibt es auf der offiziellen Seite der Folkwang Universität der Künste.
Quelle: Jens Matheuszik | All Rights ReservedDer Schlosspark als Bühne
Die Besonderheit dieses Sommertheaters ist, dass der Schlosspark in Bochum-Weitmar selbst zur Bühne wird. Inzwischen gibt es durch die Unterstützung der vergangenen Jahre auch eine Art tatsächliche Bühne sowie einige Requisiten. Das vereinfacht die Aufführung natürlich ein wenig.
Im Grunde genommen ist es aber weiterhin so: Man geht in den Park, breitet seine Picknickdecke aus oder stellt seinen Campingstuhl auf. Anschließend setzt man sich vor die stilisierte und in diesem Fall tatsächlich vorhandene Bühne. Wie das aussieht, zeigen auch die Fotos zu diesem Beitrag.
Die Ausstattung ist eher minimalistisch. Mehr braucht es aber auch nicht. Die Bühne, einige Requisiten und der Schlosspark reichen aus, um den Rahmen für das Stück zu schaffen.
Quelle: Jens Matheuszik | All Rights ReservedDas Ensemble
Auf der Bühne steht der dritte Schauspieljahrgang der Folkwang Universität der Künste. Dabei übernehmen einige Ensemblemitglieder mehrere Rollen. Das stellt jedoch meiner Meinung nach bei der Aufführung kein Problem dar. Durch veränderte Kostüme und andere Kleidungsstücke wird sehr klar erkennbar, wann die Schauspielerinnen und Schauspieler eine andere Rolle übernehmen und eine andere Figur verkörpern.
Quelle: Jens Matheuszik | All Rights ReservedEine bewusst minimalistische Inszenierung
Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten einer frei zugänglichen Aufführung im Schlosspark ist auch die Inszenierung eher minimalistisch gehalten. Das ist jedoch kein Nachteil. Gerade der Verzicht auf übermäßige Ausstattung, Prunk und Protz sorgt dafür, dass man sich stärker auf das Schauspiel und die Geschichte einlassen kann. Zugleich bleibt mehr Raum, sich eigene Gedanken zu den Figuren und zum Geschehen zu machen.
Auch der Schlosspark wird dabei immer wieder in das Spiel einbezogen. Das geschieht teilweise so selbstverständlich, dass man zunächst gar nicht bemerkt, dass etwa auch die Bäume und weitere Bereiche des Parks längst Teil der Bühne geworden sind.
Quelle: Jens Matheuszik | All Rights ReservedMusik und der AKAFÖ-Chor „en route“
Eine besondere Rolle spielt der Bochumer AKAFÖ-Chor „en route“ unter der Leitung von Natalie Mol. Die Musik und Komposition stammen von Noah Reis-Ramma. Zu Beginn wirken die Mitglieder des Chors zunächst fast wie Statistinnen und Statisten oder sogar wie Bühnenbeschäftigte des Theaters. Sie stehen am Rand und ruckeln ein wenig an den Requisiten – im wahrsten Sinne des Wortes.
Quelle: Jens Matheuszik | All Rights ReservedIm weiteren Verlauf werden sie jedoch zunehmend in das Stück eingebunden. Dabei beschränkt sich ihre Rolle nicht nur auf die musikalische Begleitung. Das Zusammenspiel des Chors mit dem Schauspielensemble weiß definitiv zu gefallen. Es ist zugleich noch einmal eine Steigerung gegenüber den bisherigen Vorstellungen des Folkwang-Sommertheaters im Schlosspark.
Standing Ovations des Premierenpublikums
Die Reaktion des Premierenpublikums war eindeutig. Nach dem Ende des Stücks sprangen die Menschen relativ schnell von ihren Picknickdecken und Campingstühlen auf. Für das Ensemble und den Chor gab es verdiente Standing Ovations. Auch in den Gesprächen nach der Aufführung war die Resonanz durchweg positiv. Ich kenne niemanden, mit dem ich anschließend gesprochen habe, dem das Stück nicht gefallen hat.
Viele fanden „Der Sturm“ sogar deutlich besser als Aufführungen der vergangenen Jahre. Das bleibt natürlich immer eine subjektive Einschätzung. Bei der Aufführung von „Romeo und Julia“ kamen beispielsweise die teilweise moderne Musik und ein kleiner Bochum-Bezug bei einigen Zuschauerinnen und Zuschauern weniger gut an. Andere fanden gerade diese Elemente hingegen besonders gelungen.
Meine Meinung zu „Der Sturm“
Auch mich hat die Aufführung sehr begeistert. Der Stoff wurde gut und verständlich vermittelt. Besonders die Zerrissenheit einzelner Figuren kam deutlich zur Geltung. Sehr gelungen war außerdem das Zusammenspiel der Schauspielerinnen und Schauspieler mit dem Chor. Auch der Schlosspark funktionierte wieder hervorragend als Bühne. Besonders schön war, wie selbstverständlich die Umgebung einbezogen wurde. Teilweise wurden sogar die Bäume zur Bühne, ohne dass man dies zunächst überhaupt bemerkte. Insbesondere der Darsteller des Ariel und die Darstellerin des Prospero trugen das Stück mit ihrer enormen Bühnenpräsenz. Aber auch das gesamte Ensemble überzeugte durch sein Zusammenspiel.
Wer sich gerne gutes Theater anschaut, sollte sich „Der Sturm“ im Schlosspark Bochum-Weitmar nicht entgehen lassen.
Quelle: Folkwang Universität | All Rights ReservedWeitere Termine im Schlosspark Weitmar
Nach der Premiere und den bisherigen Aufführungen folgen noch drei Vorstellungen im Schlosspark Bochum-Weitmar. Sie beginnen jeweils um 19:30 Uhr:
- Freitag, 17. Juli 2026
- Samstag, 18. Juli 2026
- Sonntag, 19. Juli 2026
Der Eintritt ist frei. Da die Aufführung unter freiem Himmel stattfindet, kann sie bei ungeeigneter Witterung kurzfristig abgesagt werden.
Woran Besucherinnen und Besucher denken sollten
Im Schlosspark gibt es keine reguläre Theaterbestuhlung. Besucherinnen und Besucher sollten deshalb eine Picknickdecke, einen Campingstuhl oder eine andere Sitzgelegenheit mitbringen. Die Premiere dauerte ungefähr zwei Stunden. Sie begann gegen 19:25 Uhr und endete gegen 21:20 Uhr.
Es schadet nicht, etwas früher in den Schlosspark zu kommen. So steigen die Chancen auf einen guten Platz mit möglichst freier Sicht auf die Bühne. Auch Getränke und bei Bedarf etwas Verpflegung sollte man selbst mitbringen.
PS: Zwischenzeitlich war die Durchführung des Sommertheaters nicht vollständig gesichert, weil kurzfristig zugesagte Fördermittel ausfielen. Die Bezirksvertretung Bochum-Südwest sprang deshalb kurzfristig mit einer zusätzlichen Unterstützung ein. Die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit. Lediglich die AfD stimmte dagegen.
Offenbar konnte sich die AfD für Shakespeare nicht erwärmen. Ist halt kein Wagner…






