Romeo & Julia – Liebe ist alles: Shakespeare trifft Rosenstolz (in Düsseldorf bis 25.10.)
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Romeo & Julia – Liebe ist alles: Shakespeare trifft Rosenstolz (in Düsseldorf bis 25.10.)

Zusammenfassung

„Romeo & Julia – Liebe ist alles“ begeistert auch in Düsseldorf mit starken Stimmen, moderner Musik und großer Inszenierung.

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Die Geschichte von Romeo und Julia dürfte fast allen bekannt sein. Dennoch gelingt es dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“, Shakespeares Tragödie spannend, modern und zugleich erstaunlich klassisch zu erzählen. Nach den erfolgreichen Spielzeiten im Berliner Theater des Westens ist die Produktion jetzt auf Tournee. Nach dem Auftakt in Köln macht sie bis zum 25. Oktober 2026 im Capitol Theater in Düsseldorf Station.

Romeo und Julia (Liebe ist alles) Musical-Tournee 2026/2027: Julia und RomeoQuelle: Imke Trapp/ATG | All Rights Reserved
Romeo und Julia (Liebe ist alles) Musical-Tournee 2026/2027: Julia und Romeo

Am Mittwoch, den 26. August 2026, fand dort die Vorpremiere statt. Einen Abend vor der offiziellen Düsseldorfer Premiere war somit erstmals in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen zu sehen, wie die für die Tournee nur von der Ausstattung her minimal veränderte Inszenierung dort funktioniert. Das Ergebnis kann sich sehen und vor allem hören lassen: Diese Verbindung aus Shakespeare, modernem Musical und unverkennbarem Rosenstolz-Sound begeistert.

Worum geht es bei „Romeo & Julia – Liebe ist alles“?

Die Handlung muss man eigentlich nicht mehr ausführlich erklären: Romeo Montague und Julia Capulet stammen aus zwei verfeindeten Familien in Verona. Dennoch verlieben sie sich ineinander. Es folgen eine heimliche Hochzeit, tödliche Auseinandersetzungen, ein folgenschweres Missverständnis und schließlich der Tod der beiden Liebenden.

Dass das Publikum weiß, wie die Geschichte endet, macht die Inszenierung sogar zu ihrem Ausgangspunkt. Das Musical beginnt mit dem bekannten tragischen Ende. Danach wird die Handlung gewissermaßen zurückgespult und noch einmal von vorne erzählt.

Damit wird von Beginn an deutlich: Es geht nicht darum, ob Romeo und Julia sterben werden. Entscheidend ist die Frage, wie es dazu kommt. Obwohl die Antwort ebenfalls weitgehend bekannt ist, bleibt der Weg bis zum Ende spannungsgeladen. Die Inszenierung nimmt schnell Tempo auf und hält dieses über beide Akte hinweg.

Wenn Shakespeare auf Rosenstolz trifft

Die große Stärke des Musicals ist die Verbindung von Klassik und Moderne. In den Dialogen greift die Produktion auf die historische Übersetzung von August Wilhelm Schlegel zurück. Die bekannten, sprachlich bisweilen verspielten Verse werden nur behutsam bearbeitet. Gesprochen wird damit weitgehend Shakespeare, gesungen werden moderne Pop-Songs von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange.

Das klingt zunächst nach einem großen Gegensatz. Auf der Bühne funktioniert diese Mischung jedoch sehr gut. Klassische Dialoge gehen fließend in moderne Musicalnummern über. So wird beispielsweise das Gespräch, in dem Lady Capulet mit ihrer Tochter über das Heiraten unterhält, durch ein eindringliches Lied musikalisch ergänzt. Der Wechsel wirkt nicht aufgesetzt, sondern wie eine konsequente Fortsetzung des Dialogs mit anderen Mitteln.

Musikalisch ist Peter Plate kaum zu überhören. Fast alle Lieder klingen so, als könnten sie auch aus dem Repertoire von Rosenstolz stammen. Das ist angesichts der Verantwortlichen weder überraschend noch als Kritik gemeint. Im Gegenteil: Die Musik besitzt einen klaren und durchgehend wiedererkennbaren Stil.

Von den rund 28 Liedern stammen allerdings nur zwei tatsächlich ursprünglich von Rosenstolz. Der Titelsong „Liebe ist alles“, den inzwischen sogar Roland Kaiser gecovert hat, gehört von Anfang an zum Musical. Seit der Wiederaufnahme 2025/26 ist außerdem „Wie weit ist vorbei“ Teil der Produktion. Die übrigen Stücke wurden eigens für das Musical geschrieben.

Bühnenbild und Inszenierung

Für die Tournee wurde das ursprüngliche Bühnenbild aus dem Theater des Westens leicht verändert. Es wirkt insgesamt etwas minimalistischer, funktioniert aber auch im Capitol Theater sehr gut. Insbesondere mithilfe der Drehbühne lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand ganz unterschiedliche Schauplätze darstellen.

Mal befinden sich die Figuren auf den Straßen Veronas, mal im Haus der Capulets oder in der Zelle von Pater Lorenzo. Und selbstverständlich gibt es auch den berühmten Balkon. Denn was wäre Romeo und Julia ohne eine Balkonszene?

Durch Drehungen, unterschiedliche Ebenen, Licht und die gezielte Bewegung des Ensembles verändert sich die Bühne immer wieder. Dabei fällt auf, wie intensiv der gesamte Raum bespielt wird. Die Darstellerinnen und Darsteller bewegen sich auf verschiedenen Ebenen, erscheinen zwischen den Kulissen und sind kurz darauf schon wieder an einem anderen Ort zu sehen. Gerade in den größeren Szenen weiß man manchmal kaum, wohin man zuerst schauen soll.

Das ist jedoch kein Zeichen von Unordnung, sondern das Ergebnis einer sehr beweglichen Inszenierung. Immer wieder ist man überrascht, wenn eine Figur plötzlich an einer ganz anderen Stelle der Bühne auftaucht. Dadurch wirkt Verona erst lebendig.

Romeo und Julia (Liebe ist alles) Musical-Tournee 2026/2027: Straßenkampf in VeronaQuelle: Imke Trapp/ATG | All Rights Reserved
Romeo und Julia (Liebe ist alles) Musical-Tournee 2026/2027: Straßenkampf in Verona

Besonders gelungen sind die Choreografien von Jonathan Huor. Das gilt nicht nur für die großen Musicalnummern, sondern auch für die Auseinandersetzungen auf den Straßen Veronas. Die Kämpfe zwischen den Angehörigen der beiden Familien sind präzise choreografiert, körperlich und dynamisch. Sie vermitteln die Aggressivität des Konflikts, ohne wie bloße Schaukämpfe zu wirken.

Ein stark besetztes Ensemble

Laura Schatz als Julia und Mats Visser als Romeo stehen naturgemäß im Mittelpunkt der Aufführung. Beide überzeugen sowohl schauspielerisch als auch musikalisch. Ihnen gelingt es, die schnelle und eigentlich vollkommen unvernünftige Liebe ihrer Figuren glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Gerade weil das Schicksal der beiden bekannt ist, müssen Romeo und Julia das Publikum emotional auf dem Weg dorthin mitnehmen. Laura Schatz und Mats Visser schaffen das. Man spürt die Chemie zwischen ihnen und nimmt ihnen sowohl die anfängliche Verliebtheit als auch die später immer größer werdende Verzweiflung ab.

Laura Schatz zeigt Julia dabei nicht als passiv auf ihr Schicksal wartende Jugendliche. Ihre Julia weiß, was sie will, widersetzt sich ihrer Familie und kämpft um ihre Liebe. Mats Visser verleiht Romeo zugleich jugendliche Leichtigkeit und die notwendige Tragik.

Auch die weiteren Rollen sind sehr gut besetzt. Cedric Schröter gibt Mercutio viel Energie und eine starke Bühnenpräsenz. Seinen – für diejenigen, die es bis dahin vielleicht noch nicht bemerkt haben – eindrucksvollsten Moment hat er erst nach dem Tod seiner Figur. Ähnliches gilt für Christian Bock als Tybalt. Dominik Räk überzeugt zudem als Benvolio.

Pascal Cremer übernimmt die Rolle von Pater Lorenzo, der zu Beginn zugleich als Erzähler in die bekannte Geschichte einführt und auch in wortlosen Szenen überzeugt. Sophie Mefan und Fredy Kuttipurathu verkörpern das herrschaftliche Paar Lady und Lord Capulet sehr gelungen. Bis in die Nebenrollen hinein zeigt sich, wie sorgfältig das Ensemble zusammengestellt wurde. Schauspiel, Tanz und Gesang greifen überzeugend ineinander.

Der heimliche Star: die Amme

Romeo und Julia (Liebe ist alles) Musical-Tournee 2026/2027: Beatrice Reece als AmmeQuelle: Imke Trapp/ATG | All Rights Reserved
Romeo und Julia (Liebe ist alles) Musical-Tournee 2026/2027: Beatrice Reece als Amme

Der heimliche Star des Abends ist jedoch Beatrice Reece als Amme. Schon im Theater des Westens (damals mit Steffi Irmen besetzt) sorgte diese Figur für Humor, Schlagfertigkeit und große Gefühle. Im Musical erhält sie zusätzlich einige der unterhaltsamsten Momente.

Beatrice Reece nutzt diese Möglichkeiten mit sichtbarer Freude. Ihre Amme ist komisch, ohne zur reinen Witzfigur zu werden. Zugleich überrascht sie mit einem Stimmvolumen, das man ihr bei ihrem ersten Auftreten kaum zugetraut hätte.

Dass gerade diese Figur beim Publikum besonders gut ankommt, ist keine neue Erfahrung. In Berlin gab es mit „Die Amme“ sogar ein eigenes Spin-off-Musical. Nach diesem Abend in Düsseldorf kann man gut verstehen, warum.

Der Todesengel als neue Figur

Bei den bekannten Figuren und den wesentlichen Stationen der Handlung bleibt die Adaption der Vorlage weitgehend treu. Die auffälligste Ergänzung ist der Todesengel. In der besuchten Vorpremiere wurde er von Giuseppe Dulcetta gespielt.

Der Todesengel begleitet die Handlung, greift einzelne Entwicklungen auf und ordnet sie musikalisch ein. Durch die hohe Countertenorlage hebt er sich klanglich deutlich von den anderen Figuren ab. Er wirkt dabei nicht wie ein nachträglich eingesetzter Erklärer. Vielmehr ist er eine sinnvolle Ergänzung, die das unausweichliche Ende der Geschichte von Anfang an präsent hält.

Bei sechs Düsseldorfer Vorstellungen vom 14. bis zum 18. Oktober 2026 wird diese Rolle von einem besonderen Gast übernommen: Tom Neuwirth alias Conchita Wurst kehrt als Todesengel zurück. Zuvor hatte er die Rolle bereits bei zwölf ausverkauften Vorstellungen im Theater des Westens gespielt. Anfang 2027 wird er außerdem bei sämtlichen Wiener Vorstellungen zu sehen sein.

Kleine Tonprobleme bei der Vorpremiere

An der einen oder anderen Stelle war zu merken, dass es sich am 26. August noch um die Vorpremiere handelte. Vereinzelt war ein Mikrofon etwas übersteuert oder die Tonabmischung noch nicht ganz ausgewogen.

Das störte den Gesamteindruck jedoch nicht. Solche kleinen Probleme können bei einer Live-Aufführung ohnehin vorkommen. Das gilt erst recht, wenn eine Tourneeproduktion zum ersten Mal in dieser Form an einem neuen Spielort gezeigt wird. Auch aus Köln wurde von ähnlichen Problemen berichtet, die offenbar schnell behoben werden konnten. Grundsätzliche Schwächen der Inszenierung oder des Ensembles ließen sich daraus nicht ableiten.

Standing Ovations und zwei Zugaben

Wie gut die Produktion beim Düsseldorfer Publikum ankam, zeigte sich unmittelbar nach dem Finale. Es gab starken Applaus und praktisch sofort Standing Ovations.

Danach folgten zwei Zugaben. Zunächst durfte Beatrice Reece als Amme mit „Hormone“ noch einmal zeigen, warum ihre Figur zu den Publikumslieblingen gehört. Zum Abschluss begann Laura Schatz den Rosenstolz-Klassiker und Titelsong „Liebe ist alles“ zu singen.

Das Publikum stimmte unmittelbar mit ein. Damit endete der Abend mit genau dem Lied, das den Kern des Musicals zusammenfasst und zugleich die Brücke zwischen Rosenstolz und Shakespeare schlägt.

Meine Meinung zu „Romeo & Julia – Liebe ist alles“

Jens Matheuszik

Jens Matheuszik

Eigentlich dürfte es kaum möglich sein, bei Romeo und Julia noch mit der Handlung zu überraschen. Das Musical zeigt jedoch, dass Spannung nicht allein davon abhängt, ob man das Ende kennt. Entscheidend ist, wie eine Geschichte erzählt wird und ob es gelingt, das Publikum emotional mitzunehmen.

Genau das schafft „Romeo & Julia – Liebe ist alles“. Die historische Sprache und die modernen Lieder ergänzen sich überraschend gut. Dabei wird der Klassiker weder zwanghaft modernisiert noch ehrfürchtig in einem Museum ausgestellt. Die Inszenierung nimmt den Text ernst, hat aber keine Angst davor, ihn mit Popmusik, Tanz und einer modernen Bildsprache zu verbinden.

Das etwas reduzierte Bühnenbild der Tourneeproduktion funktioniert gut. Wer nicht das Original in Berlin gesehen hat, der wird nichts vermissen. Die Choreografien sind stark, beide Akte dramaturgisch ausgewogen und das gesamte Ensemble ist schauspielerisch wie musikalisch überzeugend besetzt. Vor allem Laura Schatz und Mats Visser tragen die Geschichte glaubwürdig. Beatrice Reece macht als Amme gleichzeitig deutlich, dass auch eine Nebenfigur einen ganzen Abend prägen kann.

Das Ergebnis wirkt klassisch und modern zugleich. Es ist eine gelungene Adaption eines wohlbekannten Stoffes, die nicht nur von der Bekanntheit der Vorlage oder dem Rosenstolz-Namen lebt. Sie besitzt eine eigene Handschrift und begeistert schlicht und ergreifend.


„Romeo & Julia – Liebe ist alles“: Informationen zum Musical

Romeo & Julia – Liebe ist alles
Musical von Peter Plate und Ulf Leo Sommer
Musik von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange
nach William Shakespeare und der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel

Besetzung der Vorpremiere am 26. August 2026
Julia: Laura Schatz
Romeo: Mats Visser
Amme: Beatrice Reece
Mercutio: Cedric Schröter
Tybalt: Christian Bock
Benvolio: Dominik Räk
Pater Lorenzo: Pascal Cremer
Lady Capulet: Sophie Mefan
Lord Capulet: Fredy Kuttipurathu
Todesengel: Giuseppe Dulcetta

Regie Christoph Drewitz
Choreografie Jonathan Huor
Bühnen- und Kostümdesign, Co-Regie Andrew D. Edwards
Lichtdesign Tim Deiling
Sounddesign Florentin Bierwisch

Dauer ca. 2 Stunden 45 Minuten inklusive Pause

Spielort
Capitol Theater Düsseldorf
Erkrather Straße 30
40233 Düsseldorf

Weitere Vorstellungen in Düsseldorf

„Romeo & Julia – Liebe ist alles“ ist bis zum 25. Oktober 2026 im Capitol Theater Düsseldorf zu sehen. Tom Neuwirth alias Conchita Wurst übernimmt bei sechs Vorstellungen vom 14. bis zum 18. Oktober die Rolle des Todesengels.

Weitere Informationen, Termine und Eintrittskarten gibt es auf der offiziellen Internetseite des Musicals.

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