„Auffe Zeche“, genauer gesagt auf Zeche Zollern, dem LWL-Museum in Dortmund, – läuft traditionell in der Karnevalszeit der Geierabend. Es handelt sich hierbei um ein etabliertes Kabarett- und Karnevalsformat aus dem Ruhrgebiet. Der Ensembleabend besteht aus Comedy, politischer Satire, Musik und festen Ritualen wie dem Pannekopporden.
Vorab in einem Satz: Lohnt sich der „Geierabend 2026“?
Der Geierabend 2026 ist eine tolle Symbiose aus Comedy, Kabarett, Satire und guter musikalischer Unterhaltung, die aktuelle Themen aus dem Ruhrgebiet (aber auch darüber hinaus) auf tolle Art und Weise aufgreift.
Quelle: Tania Reinecke/Geierabend | All Rights ReservedEnsemble mit dem Präsident (Geierabend auf Zeche Zollern 2026)
Der Geierabend gehört seit Jahren zu den bekanntesten Formaten des alternativen Karnevals im Ruhrgebiet. Wobei sich der Geierabend gar nicht unbedingt vom Karneval abgrenzen will – primär geht es darum, dass der Geierabend regelmäßig bis zum Ende der jeweiligen Karnevalssession stattfindet. Auch tauchen Elemente des klassischen Karnevals im Geierabend auf – teilweise natürlich etwas persifliert. Beispielsweise in der Funktion des „Präsidenten“ (der aber statt einer Karnevalskappe bzw. -Mütze einen Babystrumpfhose trägt).
Der Geierabend setzt dabei seit Jahren auf eine gelungene Mischung von szenischem Kabarett, Musiknummern und pointierten Texten, die aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen.
Das Programm folgt grundsätzlich einem festen Schema. Nach den Szenen, die vom Ensemble des Geierabends dargeboten werden, spricht der Steiger aus seiner Lore.
Steiger, Präsident und Ensemble
Grundsätzlich gibt es ein mehrköpfiges Ensemble. Das besteht in dieser Session aus Silvia Holzhäuser, Sandra Schmitz, Patrick Dollas, Stefan Peters und Benjamin Werner.
Gesondert erwähnt gehören dabei „der Steiger“ Martin Kaysh und „der Präsident“
Roman „Henri“ Marczewski, die – bisher – zum Geierabend dazu gehören.
Martin Kaysh hat diese Rolle seit Jahren inne und damit strukturiert er das gesamte Programm und moderiert den Geierabend. Außerdem verbindet er durch seine Moderation die einzelnen Szenen miteinander. Der Wechsel ist rasant und man merkt, dass der Geierabend nicht gemächlich ist, sondern auf Tempo und schnellen Rollenwechsel setzt.
Und während Martin Kaysh jedes Mal seine Beiträge aus der Lore beim Geierabend auffe Zeche damit beginnt, dass er aufhört und in Rente geht. Diesmal begründet er es mit der Rückabwicklung der Energiewende. Denn diese führt sicherlich dazu, dass Zeche Zollern wieder für den Bergbau genutzt wird und er dort als Steiger arbeiten möchte.
BILD ?! PRäsident ? Steiger ?
Doch während regelmäßige Geierabend-Besucher wissen, dass das nicht ernst zu nehmen ist – so wurde es nachher doch deutlich ernster. Und trauriger.
Denn „der Präsident“ Roman Marczewski .
Politische und regionale Themen
Der Geierabend greift traditionell aktuelle Diskussionen der Gesellschaft auf. Nach der ersten „Shownummer“ mit dem Präsidenten greifen die „Kanonenmütter“ die aktuelle Diskussion um die Wehrpflicht. Die von Silvia Holzhäuser und Sandra Schmitz dargestellten Mütter übernehmen für ihre „Loser-Söhne“ den Wehrdienst. Nach dem sinngemäßen Motto „Schlammpackung im Jammertal kostet 199,- Euro – hier bekommst Du es gratis!“.
Es ist nicht möglich jetzt alle verschiedenen Programmpunkte hier aufzugreifen und zu erwähnen, auch wenn die „ChatGPT-Regionalstelle Bövinghausen“, die „Prepper auf Mallorca“ und „Niedereimer‘s Best – Magic Merz World“ sicherlich mehr als nur diese kurze Erwähnung verdient hätten.
Quelle: Tania Reinecke/Geierabend | All Rights ReservedSketch zur SPD (Geierabend auf Zeche Zollern 2026)
Was das gute am Geierabend ist, ist dass es immer gelingt aktuelle Themen aus Dortmund, dem Ruhrgebiet und darüber hinaus aufzunehmen. Dabei muss man nicht alle Details dazu wissen. Wenn – aufgrund der verlorenen Oberbürgermeisterwahl – die SPD in Dortmund den Geist von Godesberg beschwört, dann findet man das auch amüsant, auch wenn man vielleicht nicht sofort das Vorbild einer jeder einzelnen Person kennt.
Doch es geht nicht nur um politische Satire beim Geierabend. Denn die Wasserschutzpolizei bzw. die „WaPo Phoenixsee“ im Dortmunder Süden muss sich auch größeren Problemen dieser Welt widmen – als plötzlich ein russisches Atom-U-Boot im Phoenixsee auftaucht…
Quelle: Tania Reinecke/Geierabend | All Rights ReservedWaPo Phoenixsee (Geierabend auf Zeche Zollern 2026)
Durch den Abend führen der Präsident sowie der Steiger, gespielt von Martin Kaysh. Sie strukturieren das Programm, übernehmen Moderationen und verbinden die einzelnen Szenen miteinander. Das Ensemble besteht aus Silvia Holzhäuser, Sandra Schmitz, Patrick Dollas, Stefan Peters, Benjamin Werner und Roman Henri Marczewski.
Quelle: Tania Reinecke/Geierabend | All Rights ReservedMartin Kaysh – bekannt als der Steiger (Geierabend auf Zeche Zollern 2026)
Besondere Bedeutung hat in dieser Session der Abschied von Roman Henri Marczewski, der sich nach mehr als drei Jahrzehnten von der Dortmunder Bühne verabschiedet.
Pannekopporden 2026
Ein fester Bestandteil des Geierabends ist auch 2026 der Pannekopporden. Die satirische Auszeichnung wird an Persönlichkeiten vergeben, die aus Sicht des Geierabends in besonderer Weise öffentlich aufgefallen sind. Der Orden besteht aus 28,5 Kilogramm Stahlschrott und ist ausdrücklich nicht als klassische Ehrung gedacht.
Für den Pannekopporden 2026 sind zwei Personen nominiert:
Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, ist nominiert im Zusammenhang mit der Olympia-Bewerbung Rhein-Ruhr. Nach Darstellung des Geierabends war die Bewerbung ursprünglich auf das Ruhrgebiet und Düsseldorf ausgerichtet. Die spätere Benennung Kölns als sogenannte „Leading City“ wird satirisch als Konstruktion der „Leading Losing City Köln“ aufgegriffen.
Bettina Hartmann, stellvertretende Bürgermeisterin von Marl, ist nominiert vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen nach der Kommunalwahl 2025. Hartmann wurde nach der Gründung einer neuen Fraktion mit den Stimmen der AfD zur stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt. Der Geierabend thematisiert diesen Vorgang unter dem Stichwort der „goldenen Brandleiter“.
Über die Vergabe des Pannekoppordens entscheidet das Publikum per Applaus im Saal sowie zusätzlich per Online-Voting bis zum 16. Februar 2026. Die Ordensverleihung findet am 17. Februar 2026 (Veilchendienstag) auf Zeche Zollern statt. Mit dem Orden ist eine Prämie von 111,11 Euro verbunden.
Meine Meinung zum „Geierabend 2026“

Jens Matheuszik
Der Geierabend funktioniert für mich vor allem dann, wenn er das Ruhrgebiet nicht nur als Kulisse nutzt, sondern seine Themen ernst nimmt: Politik vor Ort, bundespolitische Schlaglichter und die Frage, wie das alles hier unten im Revier ankommt. Gerade die Mischung aus szenischem Kabarett, Musik und schnellen Rollenwechseln sorgt dafür, dass der Abend nicht stehenbleibt. Und der Pannekopporden ist mehr als ein Gag: Er zwingt dazu, politische Vorgänge nochmal sehr konkret zu benennen. Wer einen reinen Klamaukabend erwartet, ist hier nicht richtig. Wer Satire mit klarer Ruhrgebietsverankerung sucht, bekommt genau das.
Ort, Termine und Tickets
Der Geierabend 2026 läuft vom 2. Januar bis 17. Februar 2026 auf der Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen (LWL-Industriemuseum, Grubenweg 5).
Der reguläre Eintrittspreis beträgt 46,90 Euro, ermäßigt 29,90 Euro. Für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer gilt ebenfalls der ermäßigte Preis. Inhaberinnen und Inhaber der RuhrTopCard zahlen 25,28 Euro, gültig an ausgewählten Terminen (donnerstags und sonntags). Der Museumsbesuch ist im Ticketpreis enthalten.
Einlass ist ab 18.00 Uhr, sonntags ab 17.00 Uhr. Die Show beginnt um 19.30 Uhr, sonntags um 18.30 Uhr. Freitags und samstags findet im Anschluss eine Aftershow-Party statt.
Für Gruppen gibt es ein sogenanntes „Team-Tisch“-Angebot: Wer einen ganzen Tisch mit 16 Karten bucht, zahlt nur 14 Plätze. Buchungen laufen direkt über den Geierabend.






