Extrawurst: Wenn Worte reichen, um einen Verein zu sprengen (Filmbesprechung)
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Extrawurst: Wenn Worte reichen, um einen Verein zu sprengen (Filmbesprechung)

Zusammenfassung

„Extrawurst“ im Kino: Gesellschaftssatire mit Hape Kerkeling über Worte, Macht und eine eskalierende Vereinsdebatte.

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Vorab in einem Satz: Lohnt sich „Extrawurst“?
Extrawurst ist eine kammerspielartige Gesellschaftssatire, die zeigt, was Worte auslösen können – getragen von einem brillanten Hape Kerkeling in der Hauptrolle.

Extrawurst (Filmplakat)Quelle: Studio Canal | All Rights Reserved
Extrawurst (Filmplakat)

Worum geht es allgemein bei „Extrawurst“?

Extrawurst basiert auf dem gleichnamigen, äußerst erfolgreichen Theaterstück von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, das seit seiner Premiere 2019 bundesweit auf den Spielplänen steht. Die Verfilmung übernimmt den Kern dieses Bühnenstoffs nahezu unverändert – und das ist ausdrücklich als Stärke zu verstehen.

Im Tennisclub Lengenheide geht alles recht beschaulich zu: Der seit 25 Jahren amtierende Vereinspräsident Heribert wurde gerade einstimmig wiedergewählt und eigentlich ist man schon durch mit der Versammlung. Doch dann kommt „Sonstiges“ und es geht doch noch um was. Die Anschaffung eines modernen Grills für die Vereinsfeste. Als jedoch in diesem Kontext dann vorgeschlagen wird, zusätzlich einen zweiten Grill anzuschaffen, damit das muslimische Vereinsmitglied Erol sein Fleisch nicht zusammen mit Schweinefleisch grillen muss, kippt die Stimmung schlagartig. Und das obwohl Erol das bzw. den Grill gar nicht will.

Extrawurst (Filmszene)Quelle: Studio Canal | All Rights Reserved
Extrawurst (Filmszene)

Was als gut gemeinte Geste beginnt, entwickelt sich zu einer eskalierenden Debatte über Rücksichtnahme, Gleichbehandlung, Mehrheitsentscheidungen, politische Korrektheit und die Frage, wo Toleranz endet und Bevormundung beginnt. Bemerkenswert dabei: Der Betroffene selbst fühlt sich gar nicht beleidigt – doch das hält niemanden davon ab, in seinem Namen zu sprechen.

Der Film bleibt dabei bewusst nah an seinem Ursprung als Theaterstück. Auch wenn die Inszenierung mehrere Orte auf dem Vereinsgelände nutzt, bleibt Extrawurst quasi ein klassisches Kammerspiel.

Extrawurst (Filmszene)
Extrawurst (Filmszene)

Hintergrund zu „Extrawurst“

Regisseur Marcus H. Rosenmüller entscheidet sich bei der Adaption klar gegen eine große filmische Öffnung. Zwar gibt es mehr „Bühnen“ als die eine „Kammer“, aber das geschieht auf einem sehr minimalen Niveau. Es geht nicht um die Ausstattung, sondern um die Charaktere, deren Dialoge und die Eskalationslogik des Stoffes. Das Ergebnis erinnert in seiner Anlage bewusst an andere dialoggetriebene Ensemblefilme, bleibt aber thematisch fest im deutschen Vereinsmilieu verankert.

Trailer zu „Extrawurst“

Hier gibt es den offiziellen Trailer zu Extrawurst:
https://www.youtube.com/watch?v=YbC8F45HRr4

Extrawurst (Filmplakat)Quelle: Studio Canal | All Rights Reserved
Extrawurst (Filmplakat)

Meine Meinung zu „Extrawurst“

Jens Matheuszik

Jens Matheuszik

Extrawurst hat mir sehr gut gefallen. Man kann fast immer lachen (außer über den Witz von Heribert am Ende…) und solange man lacht ist ja noch alles gut (um auch etwas aus dem Film zu zitieren).
Wie bei einem Kammerspiel üblich, funktioniert „Extrawurst“ vor allem über sein Ensemble – und das ist durchweg hervorragend besetzt, bis in die kleinsten Nebenrollen hinein. Jede Figur ist klar konturiert, keine bleibt bloße Staffage. Das ist wichtig, weil der Film niemanden eindeutig schont: Alle reden sich früher oder später um Kopf und Kragen. Da bilden sich auch – je nach aktuellem Thema – immer wieder neue, teils überraschende Allianzen.

Im Mittelpunkt steht Hape Kerkeling als Vereinspräsident Heribert Bräsemann. Er verkörpert diesen bräsigen, selbstzufriedenen Funktionär mit großer Präzision. Bräsemann ist kein Bösewicht, sondern jemand, der fest davon überzeugt ist, alles im Griff zu haben. Er glaubt an Ordnung, an Regeln, an Abstimmungen – und daran, dass sich Konflikte mit Autorität und gutem Zureden lösen lassen.

Genau daran scheitert er, sobald echter Widerstand entsteht. Und Widerstand gibt es reichlich. Kerkeling spielt diesen Kontrollverlust nicht laut, sondern zunehmend müde, gereizt und hilflos. Das macht seine Figur zugleich komisch und tragisch. Es ist eine seiner stärksten Kinoleistungen der letzten Jahre.

Auch die übrigen Rollen sind präzise gesetzt: vom liberalen woken Besserwisser aus Berlin, über den rechthaberischen Mehrheitsvertreter bis hin zur vermeintlich progressiven Auslöserin des Konflikts. Extrawurst verteilt keine einfachen Schuldzuweisungen. Der Film zeigt vielmehr, wie schnell Positionen kippen und wie dünn die Schicht der zivilisierten Diskussion ist.

Der Humor ist dabei oft trocken, manchmal bitter und nicht immer bequem. Man lacht, erkennt sich wieder – und merkt im nächsten Moment, dass dieses Lachen weh tut. Extrawurst ist keine Wohlfühlkomödie, sondern eine Satire, die ihre Zuschauer ernst nimmt.

Unterm Strich ist Extrawurst eine sehr gelungene Theateradaption, die bewusst auf große filmische Effekte verzichtet und stattdessen auf Sprache, Timing und Schauspiel vertraut. Ein Film über Debattenkultur, über das Reden übereinander statt miteinander – und darüber, wie schnell aus einer Grillfrage ein Kulturkampf werden kann.

Fakten zum Film:
Titel: Extrawurst
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardım, Anja Knauer u.a.
Laufzeit: ca. 98 Minuten
Kinostart Deutschland: Januar 2026

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